Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Nordbaden
Karlsruhe, 26. Februar 2026
Wirtschaftstalk mit Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut: „Die politischen Weichen müssen jetzt auf Wirtschaft first gestellt werden"

MIT Wirtschafts-Talk mit v.l.n.r. Dr. Thorsten Schwarz, Nicole LaCroix, Katrin Schütz, Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Robin Schuster und Inka Sarnow
Gut gefüllte Europahalle: MIT Karlsruhe-Stadt und MIT Karlsruhe-Land laden zum wirtschaftspolitischen Jahresauftakt
Karlsruhe – Die Europahalle in Karlsruhe war bis auf wenige Plätze gefüllt: Selbstständige, Unternehmer, Angestellte und Arbeitnehmer strömten zum Wirtschaftstalk der MIT, zu dem die MIT Karlsruhe-Stadt unter ihrer Vorsitzenden Inka Sarnow und der MIT Karlsruhe-Land unter ihrer Vorsitzenden Nicole LaCroix gemeinsam eingeladen hatten. Zehn Tage vor der Landtagswahl am 8. März nutzten die Gäste die Gelegenheit, mit Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und den Landtagskandidaten Katrin Schütz, Robin Schuster und Dr. Thorsten Schwarz ins Gespräch zu kommen.

„Es brennt die Hütte" – Standort Deutschland unter Druck
In ihrer kämpferischen Impulsrede ging Hoffmeister-Kraut auf die aktuelle wirtschaftliche Lage ein und ließ keinen Zweifel daran, dass grundlegende Veränderungen notwendig sind. Die Ministerin verwies auf die anhaltende Rezession: Nach einem Minus von zwei Prozent beim Bruttoinlandsprodukt 2024 und einem weiteren Rückgang 2025 befinde sich Baden-Württemberg im dritten Rezessionsjahr in Folge. „Im weltweiten Wettbewerb ist der Wirtschaftsstandort aktuell nicht mehr konkurrenzfähig", so die Ministerin unverblümt.
„Chinesische Anbieter, nicht nur im Automobilbereich, auch im Maschinen- und Anlagenbau, drängen auf unsere Märkte mit ausreichend guter Qualität, aber wesentlich geringeren Preisen – teilweise ein Drittel, teilweise die Hälfte billiger", warnte Hoffmeister-Kraut. Deutschland sei technologisch wettbewerbsfähig, habe aber ein massives Kostenproblem. „Dieses Kostenproblem müssen wir jetzt konsequent angehen, damit an unserem Standort auch noch produziert werden kann."

Handwerkskammerpräsident Karsten Lamprecht zweiter von rechts
Erste Schritte gegangen – weitere müssen folgen
Die nach der Regierungsbildung auf Bundesebene beschlossenen Steuererleichterungen für Unternehmen, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten und die Senkung der Stromsteuer bezeichnete die Ministerin als „einen guten Auftakt, aber da muss natürlich noch weiteres folgen". Konkret forderte sie: „Wir müssen auch die Nebenkosten, die Sozialabgaben in den Blick nehmen bei den Lohnkosten und insgesamt Energiekosten runter." Ein nächster wichtiger Schritt sei zudem die Reform des Bürgergelds. „Arbeit muss sich lohnen", betonte Hoffmeister-Kraut.
Produktion und Forschung – zwei Seiten einer Medaille
Besonders eindringlich warnte die Wirtschaftsministerin vor den Folgen einer weiteren Produktionsverlagerung ins Ausland: „Wenn uns die Produktion sukzessive weiter abwandert – und das tut sie schon seit 2019 – dann verlieren wir auch Forschung und Entwicklung." Forschung und Produktion seien eng miteinander verknüpft. „Wer glaubt, wir können hier nur noch Forschung und Entwicklung machen und die Produktion findet woanders statt, der irrt gewaltig."

Ministerin Hoffmeister-Kraut
CDU-Wirtschaftsagenda: Vorfahrt für Wachstum und Arbeitsplätze
Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl stellte die Ministerin die wirtschaftspolitischen Kernpunkte der CDU vor, wie sie in der „Agenda der Zuversicht" formuliert sind. „Wir wollen Vorfahrt für Wirtschaft, Wachstum und Arbeit: in Politik, Verwaltung und Gesetzgebung", so Hoffmeister-Kraut. Das Ziel der CDU sei es, Baden-Württemberg bis 2036 zur stärksten Innovationsregion Europas zu machen.
Bürokratieabbau und Entlastung: Berichtspflichten sollen reduziert, Verfahren digitalisiert und landesrechtliche Auflagen auf das notwendige Maß begrenzt werden. Mit dem One-Stop-Shop-Prinzip sollen Behördenkontakte gebündelt werden. „Wir wollen eine Verwaltungskultur des Ermöglichens: keine kleinteilige bürokratische Gängelung, sondern die Nutzung bestehender Ermessensspielräume zugunsten von Wirtschaft, Wachstum und Arbeitsplätzen."
ZukunftsFonds BW: Zur Unterstützung von Unternehmen im Strukturwandel und zur Förderung von Start-ups soll ein neuer Zukunftsfonds geschaffen werden. „Zukunftsfähige Unternehmen dürfen nicht an Kapitalmangel scheitern", erklärte die Ministerin.
Gründerland Baden-Württemberg: Gründungen sollen digital innerhalb von 48 Stunden möglich werden. „Die Start-ups von heute sind der Mittelstand von morgen", zitierte Hoffmeister-Kraut CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel.
Meisterausbildung kostenlos: Die CDU will die Meistergebühren abschaffen und bis dahin die Meisterprämie auf 3.000 Euro verdoppeln. „Berufliche und akademische Bildung sind für uns gleichwertig."
Digitalisierung als Chance für den Mittelstand
Ein Schwerpunkt des Abends lag auf der digitalen Transformation. „Unser Ziel ist, dass Baden-Württemberg führende Innovationsregion Europas bleibt. Die Digitalisierung gibt uns dafür alle Mittel in die Hand", betonte Hoffmeister-Kraut. Ob Cloud Computing, Internet der Dinge, Industrie 4.0 oder Big Data – die Digitalisierung verändere die Ökonomie rasant und radikal. „Dieses Bewusstsein muss aber auch im kleinsten Betrieb im Land ankommen, nicht nur bei den großen."
Kreisvorsitzende Inka Sarnow und Landtagskandidatin Katrin Schütz
Mit der „Initiative Wirtschaft 4.0" unterstütze das Land Unternehmen branchenübergreifend – vom Handwerk bis zum Dienstleistungsgewerbe – bei der Digitalisierung. Insbesondere der Mittelstand müsse noch stärker und konsequenter beim Einstieg in das Thema Wirtschaft 4.0 unterstützt werden.
Hightech-Agenda und Künstliche Intelligenz
Die Ministerin zog auch eine positive Bilanz ihrer zehnjährigen Amtszeit und verwies auf wichtige Leuchtturmprojekte: Der Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI), die Gründerförderung „Startup BW" und das Investitionsprogramm „Invest BW" hätten Baden-Württemberg als Innovationsstandort gestärkt. „Ich habe wirklich große Einzelprojekte für unser Land in die Umsetzung bringen können. Der Innovationspark Künstliche Intelligenz ist eine Plattform für ganz Baden-Württemberg und weit darüber hinaus. Hier wird ganz groß gedacht."

Ministerin Hoffmeister-Kraut
Die CDU plane darüber hinaus eine eigene Hightech-Agenda für Schlüsseltechnologien der Weltwirtschaft – mit Fokus auf Künstliche Intelligenz, Mikrotechnologie, Quanten- und Batterietechnologien, Medizintechnik, Robotik und Biotechnologie.
Baden-Württemberg im globalen Wettbewerb
Selbstbewusst ordnete die Ministerin den Standort international ein: „Baden-Württemberg ist im Top-Ranking der High-Tech-Schauplätze der Welt – gemeinsam mit Standorten wie dem Silicon Valley muss sich Baden-Württemberg nicht verstecken!" Das Land habe kluge Köpfe, exzellente Fachkräfte und ein hohes Innovationspotenzial. „Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann wird der Standort wieder attraktiv."
Mercosur-Abkommen – wichtig für die Exportnation
Mit Blick auf die Außenwirtschaft hob Hoffmeister-Kraut die Bedeutung des Mercosur-Abkommens für Baden-Württemberg hervor. Sie bedauerte, dass deutsche Abgeordnete der Grünen, AfD und Linken gegen die Umsetzung gestimmt und eine rechtliche Überprüfung bewirkt hätten. „Gerade bei Mercosur war es natürlich besonders bedauerlich. Das ist für Baden-Württemberg und für Deutschland als Exportnation eine schwierige Entwicklung."
Die CDU wolle die Erschließung neuer Absatzmärkte vorantreiben – insbesondere in Wachstumsregionen wie Südostasien, Indien und Südamerika. „Baden-Württemberg Business Center" in den für die Wirtschaft entscheidenden Märkten sollen dabei Türen öffnen.
Bildung als Fundament – Sprache als Schlüssel
Im Bereich Bildung kündigte die CDU-Politikerin an, die frühkindliche Bildung stärken zu wollen. „Wir wollen als CDU ein verbindliches letztes Kindergartenjahr mit verbindlichen Sprachkursen, denn Sprache ist der Schlüssel zu Bildungserfolg. Dieses letzte Kindergartenjahr würden wir dann auch kostenfrei stellen."
Im Anschluss an die Impulsrede stellten sich die Landtagskandidaten Katrin Schütz, Robin Schuster und Dr. Thorsten Schwarz dem Publikum vor und bezogen Stellung zu regionalen wirtschaftspolitischen Themen. Alle drei betonten die Bedeutung des Mittelstands für die Region und plädierten für konsequenten Bürokratieabbau.

Diskussion mit dem Publikum
In der anschließenden Fragerunde standen insbesondere der längst überfällige Bürokratieabbau auf kommunaler und Landesebene, die Energiekosten für produzierende Betriebe sowie Fragen der Internationalisierung im Mittelpunkt. Die Gäste aus Handwerk, Industrie und Dienstleistungsgewerbe nutzten die Gelegenheit für einen intensiven Austausch.

Publikumsfrage an Ministerin und Kandidaten
Die Ministerin fasste die Botschaft des Abends zusammen: „Die politischen Weichen müssen jetzt auf Wirtschaft first gestellt werden. Baden-Württemberg ist ein Industrieland und will das auch bleiben."
Im Dialog mit dem Publikum. V.l.n.r. Kandidatin Schütz, Ministerin Hoffmeister-Kraut, Kandidaten Schuster und Dr. Schwarz
Zur Person: Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut wurde 1972 in Balingen geboren. Die promovierte Diplom-Kauffrau studierte an der Universität Tübingen BWL und promovierte an der Universität Würzburg. Sie ist seit 1998 Gesellschafterin der Bizerba SE & Co. KG, deren Eigentümerin ihre Familie ist. Nach Stationen bei Morgan Stanley in London und Ernst & Young arbeitete sie als Analystin im Bereich Mergers & Acquisitions. Seit Mai 2016 ist sie Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus in Baden-Württemberg und Mitglied des Landtags. 2025 übernahm sie den Vorsitz der Wirtschaftsministerkonferenz.
Pressekontakt:
Martin Kandzior
Pressesprecher
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mk [at] kandzior.eu
0173 8825194
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) ist mit rund 25.000 Mitgliedern der größte parteipolitische Wirtschaftsverband in Deutschland. Die MIT setzt sich für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und für mehr wirtschaftliche Vernunft in der Politik ein.
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